Interview mit Luzia Taschler und Kristina Eronina zur deutschen AeroPress-Meisterschaft 2013

Finale der AeroPress Meisterschaft 2013

Hallo Luzia und Krissi, ihr habt ja bei der deutschen AeroPress-Meisterschaft mit Euren Kaffees die Jury begeistert und die beiden vorderen Plätze belegt. An dieser Stelle zunächst nochmals meine Glückwünsche zum Gewinn der deutschen AeroPress-Meisterschaft Luzia und Dir Krissi zum zweiten Platz. Mich hat die Art fasziniert wie ihr Eure Kaffees an der Meisterschaft zubereitet habt, und ich hoffe ihr verratet uns in diesem Interview Eure Rezepte. Bevor wir jedoch dazu kommen habe ich noch ein paar Fragen an Euch.

Ihr arbeitet beide bei »Machhörndl Kaffee« in Nürnberg. Was sind Eure Arbeitsbereiche dort?

Luzia: Eigentlich macht hier jeder fast alles, da wir ein sehr kleines Team sind. Hauptsächlich stehen wir natürlich hinter der Espresso-Maschine und natürlich auch hinter der Brew-Bar, Kaffee abpacken, sortieren usw. gehören aber auch dazu. Ich persönlich kümmere mich zusätzlich noch ein bisschen um grafische Arbeiten, da ich ja eigentlich Mediendesign studiert habe.

Krissi: Ich steh am allerliebsten hinter der Brew- und Espressobar und sorge dafür, dass wir hier in der Rösterei auch intern regelmäßig Cuppings machen. Es gibt auf jeden Fall immer was zu tun.

Wer sich darüber hinaus für Machhörndl Kaffee interessiert, kann dieses Interview lesen.

Luzia Taschler

Bei Eurer Arbeit steht die Qualität des Kaffees auf eindrückliche Weise im Vordergrund. Wollt ihr ein bisschen über den Weg reden, auf dem ihr Eure Leidenschaft für guten Kaffee entdeckt und entwickelt habt?

Krissi: Diese Geschichte erzähl ich sehr gerne! In Kaffee verliebt hab ich mich, als mich die Schwester meines Mitbewohners (zufälliger Weise war das Luzia) auf einen Kaffee zu “Machhörndl Kaffee” eingeladen hat, da damals eine Aushilfe gesucht wurde. Nach dem ersten Schluck Kaffee dort wurde mir klar, dass ich total gerne in dem Bereich arbeiten möchte. Nach und nach hat mich der Kaffee immer mehr angefixt und mittlerweile kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, etwas anderes zu machen. Ich wollte auch schon immer ein Handwerk erlernen und hier in der Rösterei bin ich dafür bestens aufgehoben.

Luzia: Das ist jetzt tatsächlich schon eine ganze Weile her. Ich war 2006 nach dem Abitur ein Jahr lang in Australien. Dort war auch damals schon die Kaffee-Szene sehr ausgeprägt. Als ich dann meinen ersten Cappuccino mit Latte Art serviert bekam war ich so begeistert, dass ich das Barista-Handwerk unbedingt lernen wollte. Ich habe in einem kleinen Café einen Nebenjob ergattern können und die Leidenschaft hat mich recht schnell gepackt. Ich habe dann in dem Jahr in vielen verschiedenen Cafés in ganz Australien gearbeitet. Zurück in Deutschland war ich erst recht frustriert, was die Kaffee-Szene angeht. Dann habe ich aber zufälligerweise Thomas Schweiger und Armin Machhörndl kennen gelernt und wie man sieht, nahmen die Dinge weiter ihren Lauf.

Kristina (Krissi) Eronina

Wie entstand bei Euch der Entschluss an der AeroPress-Meisterschaft teilzunehmen?

Krissi: Ich wollte gerne mal an einer Kaffee-Meisterschaft teilnehmen und die deutsche Aeropress-Meisterschaft war eine gute Gelegenheit damit anzufangen.

Luzia: Eigentlich hatte sich nur Krissi entschieden, an der Aeropress-Meisterschaft mitzumachen. Als wir dann aber so viel trainiert und überlegt haben, hat’s mich doch auch wieder in den Fingern gejuckt und ich habe erstmal nur aus Spaß ein bisschen mit sehr außergewöhnlichen Methoden herumexperimentiert. Ich hatte die Idee, den tollen Charakter eines guten Coldbrews mit der Aeropress zu vereinen. Das Ergebnis hat mich dann geschmacklich so überzeugt, dass ich mich sehr spontan entschieden habe, auch noch mit zu machen.

Wollt ihr uns ein bisschen von den Vorbereitungen auf die Meisterschaft erzählen? (Habt ihr gemeinsam trainiert? Wie habt ihr Eure Rezepte entwickelt? Bereitet ihr an Eurer Brewbar die AeroPress auch auf diese Weise zu?)

Krissi: Wir haben auf jeden Fall gemeinsam trainiert, es spricht ja auch nichts dagegen. Wir arbeiten ja nicht gegen- sondern für- und miteinander! Wir haben nicht nur gegenseitig unsere Zeit gestoppt sondern auch die Kaffees verkostet usw. Ich habe total viel ’rumprobiert mit verschiedenen Temperaturen, Mahlgrad, Ziehzeit, etc. Ständig habe ich auch die TDS-Werte gemessen. Das ging so lange, bis ich irgendwann mit dem Ergebnis zufrieden war.

Luzia: Naja, wie schon gesagt, habe ich mich sehr spontan entschlossen teil zu nehmen, das war im Prinzip während des gemeinsamen Trainings mit Krissi. Aber auch, als klar war, dass wir beide mitmachen werden, haben wir natürlich weiter zusammen trainiert, denn der gegenseitige Austausch ist sehr wichtig und wertvoll. Außerdem waren ja unsere Konzepte und Brühmethoden auch komplett unterschiedlich.

Hier im Laden bereiten wir die Aeropress nicht nach unseren Meisterschafts-Rezepten, außer es fragt mal jemand explizit danach. Das würde leider einfach etwas zu lange dauern.

Das Kännchen von Luzia

Und nun würde ich mich freuen, wenn Ihr uns Eure Rezepte verratet …

Luzia: Na klar, das geb’ ich gerne weiter, gerade weil es sehr experimentell ist und vielleicht andere Leute zu neuen Brühmethoden inspirieren kann.

Ich habe 23g sehr grob gemahlenen Kaffee mit 50ml kaltem (20°C) Wasser in einem Glasbehälter aufgegossen. Während 4,5 Minuten Ziehzeit habe ich 2 mal umgerührt, das erste mal nach 1 Minute und nochmal nach 3 Minuten. Anschließend habe ich das ganze mit heißem Wasser (94°C) auf insgesamt 240ml aufgegossen, in die Aeropress umgefüllt und sofort durchgepresst.

Zum Schluss habe ich den gebrühten Kaffee 6 mal von einem Kännchen ins andere umgegossen, somit wurden die Aromen wesentlich intensiver.

Krissi: Ich habe 18g frisch gemahlenen Kaffee in ein Glaskännchen gegeben und ihn darin mit 230g Wasser (85°C) 1,3 Minuten ziehen lassen. Anschließend habe ich das ganze in die Aeropress gegeben und durchgepresst. Und zum Schluss habe ich den Kaffee 4 mal von einem Kännchen ins andere gegossen, damit er noch etwas abkühlt und die Aromen intensive werden.

Vielen Dank, dass Ihr Euer Geheimnis mit uns teilt. Gibt es für Euch Punkte bei der Kaffeezubereitung mit der AeroPress auf die man besonders achten sollte, um mit ihr den bestmöglichen Kaffee zuzubereiten?

Luzia: Das ist doch kein Geheimnis! Von meiner Seite aus Punkte die zu beachten sind: ruhig mal was neues, verrücktes ausprobieren! Nicht immer nur an alten Weisheiten und Parametern festhalten und letztendlich den eigenen Geschmack entscheiden lassen.

Krissi: Ich finde es auch gut, wenn man experimentierfreudig ist. Viel Ausprobieren und Vergleichen und Parameter ändern führen am Ende zu einem tollen Ergebnis. Außerdem sollte man unbedingt Spaß und Leidenschaft an der Sache haben alles andere hat kein Wert. Auch der Austausch mit anderen Leuten ist sehr wertvoll.

Die AeroPress ist auf Grund ihrer Größe und der Handlichkeit ein guter Reisebegleiter. Habt Ihr auch immer eine im Gepäck, oder wie bereitet Ihr auf Reisen Euren Kaffee zu?

Krissi: Wenn ich auf Reisen bin, probiere ich am liebsten den Kaffee, wie er in den Ländern typisch zubereitet wird, auch wenn’s manchmal nicht so toll schmeckt. Aber ich will immer etwas neues kennen lernen! Außerdem reicht es ja nicht, die Aeropress alleine mit zu nehmen, ich bräuchte ja dann auch eine Mühle, Filter, eine Waage, gefiltertes Wasser, etc. und in meinem Rucksack hab ich meistens nicht so viel Platz, um alles unter zu bekommen.

Luzia: Da bin ich das Gegenteil: meine Aeropress ist eigentlich fast immer mit dabei, oder auch mal der CleverDripper. Wie Krissi schon gesagt hat, braucht man dann natürlich auch Mühle und co. Aber das ist es mir wert. Ich trinke eigentlich fast nirgends Kaffee, außer wenn ich ihn selbst zubereitet habe, mir reicht es meistens schon, bei den Getränken meiner Freunde einen Blick drauf zu werfen. Ich habe mir auch schon die ein oder andere Aeropress im Flugzeug zubereitet, das bringt immer recht viel Aufmerksamkeit mit sich, aber auch einige glückliche Flugbegleiter, die probieren dürfen. Auch auf meiner letzten Reise in Ecuador hatte ich meine Aeropress dabei und die Farmer dort waren begeistert von der Zubereitungsmethode.

Kristina (Krissi) Eronina

Habt ihr momentan einen Lieblingskaffee, eine Bohne oder Zubereitungsart, die ihr gerade allen anderen leckeren Kaffees vorzieht?

Krissi: Unseren Äthiopien Konga OCR (sonnengetrocknet) finde ich gerade wirklich super geil. Und er schmeckt mir eigentlich mit fast jeder Zubereitungsmethode gut. Ich habe eigentlich in dem Sinne keinen wirklichen Lieblingskaffee oder eine Lieblings-Zubereitungsmethode, ich liebe fruchtig, beerige, spritzige, ja einfach spannende Kaffees bei denen ich mir erst mal denke “wow was ist das denn, ist es Kaffee?”

Luzia: Puh, das ist immer eine sehr schwierige Frage. Ich trinke unglaublich gerne frisch gebrühte Kaffees sämtlicher Brühmethoden. Ich mag’s genauso wie die Krissi auch sehr gerne fruchtig und saftig. Aber vor allem interessant sollte er sein. Ich finde es toll, wenn man langsam ein geschmackliches Gefühl dafür entwickelt, woher welcher Kaffee kommt und wie er aufbereitet wurde etc. Ich trinke aber auch total gerne mal einen Cappuccino. Nur bin ich nicht so ein großer Espresso-Fan. Das ist mir irgendwie einfach zu konzentriert. Espresso trinke ich eigentlich nur zum Mühle einstellen.

Vielen Dank, dass ihr Euch die Zeit genommen habt meine Fragen zu beantworten.