Fair gehandelter Kaffee – Ein Buch mit vielen Siegeln

Gestern war ich auf der „Fair Handeln“ Messe“ in Stuttgart. Eigentlich wollte ich darüber einen kleinen Blogpost schreiben und veranschaulichen wie toll und unterstützenswert das alles ist. Doch das Thema Fairer Handel und im Speziellen, Fairer Kaffeehandel, ist komplex, soviel ist mir mal wieder klar geworden. So sind bekannte Siegel wie „Fairtrade“ z.B, was die Strenge der Kontrollen angeht angeblich eher lasch. So erklärt es sich dann auch, dass man auf das Fairtrade Siegel u. a. bei Lidl und Starbucks stößt. Beides nicht unbedingt Namen die man direkt mit Fairem Handel(n) verbinden möchte, oder? Siegel wie „Bioland“ agieren nur national und sind somit auf keinem Kaffee zu finden, dafür aber auf Milch, die für uns ja auch nicht gänzlich uninteressant ist. „Naturland Fair“ hat hohe Standards und hat mit dem „Fair“ Zusatz auch ein Siegel geschaffen, das endlich Bio und Fair in einem Siegel abdeckt, was ich persönlich schon längst überfällig finde.

Doch das alles ist anderen wie z.B El Puente immer noch zu lasch, zu bürokratisch, zu sehr an den eigentlichen Problemen vorbei, so dass sie sich den bestehenden Siegeln verweigern und ihr eigenes Ding machen. So ist es theoretisch gut möglich, dass ein Kaffee der kein offensichtliches „fair gehandelt“ Siegel hat jedoch unter maximal fairen Bedingungen entstanden ist. Auf der anderen Seite  kann ein zertifizierter Kaffee mit Siegel aber auch ein bißchen zuviel von der heilen Welt versprechen und bei genauer Recherche ist die Enttäuschung vorprogrammiert. Eine Tatsache, die es uns als Endverbraucher nicht leichter macht.

Ich denke, dass uns Fairer Kaffeehandel trotz dieser Undurchsichtigkeiten in jedem Fall interessieren sollte. Nicht zuletzt da wir in Deutschland zu den Top Abnehmern von Rohkaffee gehören und Kaffee nunmal nur in bestimmten Breitengraden in der Nähe des Äquators wächst und die Produzenten somit fast ausnahmslos Entwicklungs- und Schwellenländer sind.

Das beste scheint beim Kauf direkt nachzufragen, wo der Kaffee herkommt? Wenn es Siegel gibt, wofür sie genau stehen und wenn es keine gibt auch da nachzufragen wie der Kaffee denn produziert bzw. gehandelt wurde.

Was uns dann aber immer noch nicht erspart bleibt ist, das Faire Siegel nichts über die tatsächliche Qualität des Kaffees aussagen. Es bleibt also spannend.

Nachtrag: Den 100% Arabica Espresso aus Kamerun von El Puente den ich mir für 3,80 !!! (250g) mitgenommen hatte geht geschmacklich in Ordnung und veranschaulicht sehr gut wie Kaffee ohne  profitorientierten Zwischenhandel und ohne Siegel sogar noch „für meine Verhältnisse zumindest“ sehr günstig sein kann. Außerdem fiel mir positiv auf dass auch über den Kaffee (Anbauhöhe, Bodenbeschaffenheit, Bebauungsart usw.) auf der Verpackung zu lesen ist und nicht nur das übliche bla bla bla.