Die AeroPress Meisterschaft 2013

Am vergangenen Samstag fand in der Kaffeekommune Zwei in Mainz die zweite deutsche AeroPress Meisterschaft statt. Neben den 12 Teilnehmerinnen und Teilnehmer fanden sich etliche Interessierte ein, und es wurden in freundschaftlicher Atmosphäre miteinander und gegeneinander Kaffees zubereitet. Paul, die gute Seele der Meisterschaft, moderierte die Veranstaltung, sprach mit den Teilnehmern, unterhielt sich mit Interessierten und servierte „nebenbei“ seinen Gästen wunderbare Kaffees.

Training

Training

Nachdem alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Startnummer gezogen und die Wettkampfkaffees abgeholt hatten, begann die Trainingszeit. Es ging darum sich mit den Stationen, dem Wasser, der Mühle und den Kaffees vertraut zu machen. Für die Vorrunde wurde ein Kaffee aus Äthiopien von Hoppenworth und Ploch bereit gestellt. Für Halbfinale und Finale gab es einen Kaffee aus Kenia von Johannes Bayer. Im Vorfeld wurde natürlich nur gesagt dass es sich um gewaschen aufbereitete Kaffees der jeweiligen Rösterei handle. Zur Vorbereitung waren 20 Minuten vorgesehen, mir gefiel das gegenseitige probieren der Kaffees und die Rückmeldungen dazu.

Vorrunde

Nach dem Training startete die Vorrunde, in der jeweils drei Personen in vier Gruppen antraten. Hier ein Bild der Gruppe in der ich antrat:

Vorrunde #apm13, Veljko, Depone und Felix. Foto: Philipp Bischoff

Vorrunde #apm13, Veljko, Depone und Felix. Foto: Philipp Bischoff

Die Aufgabe war es ungefähr 200ml Kaffee in acht Minuten zuzubereiten, der dann von der Jury bewertet wurde.

Die Richterin und Richter der AeroPress Meisterschaft 2013
Die Jury war hochkarätig besetzt, Gwilym Davies, Petra Veselá und Sebastian Lösch, verkosteten die Kaffees und bewerteten sie auf Grund des Geschmacks. Jedes Jurymitglied vergab eine Stimme und die Person deren Kaffee am meisten Stimmen hatte kam weiter. Aus unserer Gruppe kam Veljko von den Public Coffee Roasters in Hamburg weiter.

Halbfinale

Halbfinale der AeroPress Meisterschaft 2013
Im Halbfinale traten dann die Gewinner der Vorrunde an. Paul hatte sich für das Halbfinale noch etwas besonderes einfallen lassen, die Kategorie »Lucky Loser«. Aus den Kaffees, die in der Vorrunde nicht weitergekommen waren wählte die Jury zwei weitere aus, die dann ebenfalls im Halbfinale antraten.

Finale

Finale der AeroPress Meisterschaft 2013
Im Finale standen schließlich Luzia und Krissi aus der Kaffeemanufaktur Machhörndl und Ben von Green Cup Coffee. Die sich schließlich auch in dieser Reihenfolge platzierten. Ich freue mich sehr mit Luzia und Krissi die durch ihre Art der Zubereitung über den Standard der AeroPress-Zubereitung hinausgedacht haben.

Es hat mir sehr viel Spaß gemacht an der Meisterschaft teilzunehmen, wofür ich in erste Linie Paul und dann allen Beteiligten, Teilnehmerinnen und Teilnehmern dankbar bin. Es hat mich sehr gefreut mit einigen zu sprechen, mit denen ich bisher nur über Twitter oder E-Mail kommuniziert hatte, und andere überhaupt erst kennenzulernen. Was die Kaffeezubereitung angeht habe ich natürlich auch wieder einiges gelernt, aber dazu später mehr.

Brewrista-Talk und AeroPress-Meisterschaft

Am kommenden Wochenende findet in der Kaffeekommune Zwei in Mainz der Brewrista-Talk und die zweite deutsche AeroPress-Meisterschaft statt. Wir werden mit dabei sein, freuen uns auf eine inspirierende Zeit und werden das ein oder andere auch hier teilen.

Im Brewrista-Blog finden sich Infos zum Ablauf der Tage, hier lang bitte

AeroPress
Daniel tritt bei der AeroPress-Meisterschaft an. Dieses Trainingsfoto wurde von JosiaJo geschossen.

Eine unreflektierte Beobachtung aus gegebenem Anlass

Ich sitze mit einer Tasse Kaffee beim Frühstück. Am Wochenende nehme ich mir auch gerne immer die Zeit für einen Filterkaffee. Frisch handgemahlen, mit genauer Kaffee und Wassermenge und mit kontrollierter Wassertemperatur. Eigentlich dürfte da nix schief gehen sollte man denken. Aber der Kaffee der es heute in die Tasse schafft wurde eigentlich nur noch online bestellt um die 50,- Euro bis zur portofreien Lieferung voll zu bekommen. Guter Kaffee einer renommierten Finca ist das, er riecht lecker, aber im Mund kommen zu viele Bitterstoffe und Röstaromen dazu und man kann den eigentlichen Geschmack nur erahnen. Ich ärgere mich ein bißchen. Zum einen dass dieser Kaffee offensichtlich nicht gut, oder sagen wir optimal geröstet wurde und er meiner Meinung nach weit hinter seinem Potential bleibt. Zum anderen dass mich dieser Kaffee, wie alle bisherigen von diesem  Online Anbieter gekauften, enttäuscht. Warum passiert mir das???

Ich überlege kurz und mir fällt auf dass ich jeden Kaffee von dort immer nur noch bestellt habe um die portofreie Lieferung zu bekommen. Der Grund meiner Bestellung war immer Zubehör. Wenn ich weiter überlege kommt mir die Frage in den Sinn warum jemand ein Online Business rund um Kaffee aufbaut obwohl das offensichtlich nicht seine Kernkompetenz ist, wenn man das so sagen kann. Viel eher scheinen hier gute Marketingleute am Werk zu sein, was in meinen Augen überhaupt nichts verwerfliches ist, aber dieses Ungleichgewicht aus „Wie verkauft wird“ (Hey wir haben super Single Finca Kaffee) und  „Was man tatsächlich bekommt“ (mittelmäßiger Kaffee) empfinde ich als Problem.

Würde mich interessieren ob es anderen auch so geht, oder ob ihr ähnliche Erfahrungen gemacht habt?

 

 

„Die Geschmackseigenschaften des Rohkaffees hervorheben” – Antworten von Armin Machhörndl

Wir freuen uns sehr, dass Armin Machhörndl seine Kaffeeleidenschaft mit uns teilt, und sich die Zeit genommen hat Antworten auf unsere Fragen zu formulieren. Und so führt er diese Interviewserie mit Röstern deren Kaffees wir lieben interessant fort.

Armin Machhörndl an der Brewbar

Amin Machhörndl gründete 2005 gemeinsam mit Thomas Schweiger den mittlerweile legendären Barista Shop green&bean in Ansbach. Er folgte seiner Leidenschaft für Kaffee und Botanik weiter und eröffnete 2008 die Kaffeemanufaktur Machhörndl, in der er seither wunderbare Kaffees röstet. Darüber hinaus gewann er sowohl 2011 als auch 2012 den 1. Platz beim Deutschen Brewers Cup.

Wann trinkst Du Deinen ersten Kaffee, und wann Deinen letzten?
Eigentlich hab ich da keine festen Zeiten oder ein festes Ritual. Ich trinke Kaffee einfach immer dann, wenn ich Lust darauf habe, das kommt natürlich recht häufig vor.
Der Tag beginnt für mich oft mit einem leckeren Cupping in der Rösterei. Am Wochenende genieße ich meinen Kaffee ganz gemütlich zu Hause zum Frühstück.

Auf welche Art bereitest Du am liebsten Deinen Kaffee zu?
Ich mag sämtliche verschiedene Brühmethoden. Egal ob warm oder auch kalt (colddrip). Das schöne ist ja gerade, dass man die unterschiedlichen Kaffees mit den unterschiedlichen Methoden zubereiten kann um verschiedenste Aromen und Geschmacksnouancen zu erhalten. Ich probiere immer wieder gerne neues aus, wenn es was gibt. Und den ein oder anderen Espresso trinke ich natürlich auch gerne.
Wenn ich mich nun aber doch für eine Zubereitungsmethode entscheiden müsste, dann wäre das wohl die Aeropress.

Verrätst Du uns wie Du das genau machst?
Ich verwende die Aeropress „inverted“, das heißt sie ist bereits zusammen gesteckt, aber umgedreht.
Ich verwende 15g Kaffee (etwas feiner gemahlen als Filterkaffee) und 240ml Wasser (91 – 92°C).
In der Rösterei brühe ich mit dem Überboiler, zu Hause mit dem Hario Kettle Buono.
Ich fülle die Aeropress zunächst nur zur Hälfte mit heißem Wasser, rühre dann gleichmäßig um, gieße das restliche Wasser hinein, lasse sie dann 40 Sekunden ziehen und presse den Kaffee dann in etwa 20 bis 25 Sekunden in das Kännchen.

Wie kamst Du zum Kaffeerösten? Wie lange röstest Du schon selbst?
Früher habe ich sehr wenig Kaffee getrunken. Dies hatte den großen Vorteil, dass ich mich direkt an guten Spezialitäten-Kaffee gewöhnen konnte ohne vorher von schlechtem 0815-Kaffee geprägt gewesen zu sein. 2005 kam ich durch meinen guten Freund Thomas Schweiger auf den Geschmack des guten Kaffees. Da wir uns beide zu der Zeit beruflich umorientieren wollten, beschlossen wir, gemeinsam ein Café zu eröffnen: den mittlerweile legendären Barista-Shop „Green and bean“ in Ansbach. Wir waren also Quereinsteiger in der Kaffee-Szene, machten es uns aber von Anfang an zur Aufgabe, unseren Kunden die außergewöhnlich große Geschmacksvielfalt des Kaffees näher zu bringen, die uns selbst auch so begeistert hatte.
Da ich schon immer großes Interesse an Botanik hatte, wollte ich noch tiefer in die Materie des Kaffees eintreten. So begann ich mich auch mit Rohkaffee zu beschäftigen und auseinanderzusetzen und eröffnete 2008 die Kaffeemanufaktur Machhörndl und röste dort nun seit fast 5,5 Jahren meine eigenen Kaffees.

Armin Machhörndl an der La Marzocco

Gibt es eine Anbauregion deren Kaffee Du am liebsten trinkst?
Es gibt so unglaublich viele tolle Anbauregionen. Ich kann mich schwer für eine Lieblingsregion entscheiden. Bei Kaffees aus Äthiopien schätze ich die geschmackliche Vielfalt und die tollen Beeren-Aromen. Auch kenianischer Kaffee ist einer meiner Favoriten mit seinem spritzigen Charkter und dem einzigartigen geschmacklichen Wiedererkennungswert. Aus El Salvador wiederum begeistern mich die Varietäten Bourbon und Pacamara.

Welchen Stellenwert hat für Dich der Kontakt zu den Menschen in der Anbauregion der Kaffees die Du röstest?
Es ist vor allem wichtig, dass die Menschen in den Anbauregionen gute Arbeit machen und verstehen was sie tun, dass sie den Aufbereitungsprozess verstehen und wissen, was dieser beim Kaffee bewirkt. Für dieses Wissen sind natürlich wir Röster und Baristi wichtig und der Austausch mit den Kaffee-Bauern ist von großer Bedeutung für eine stetige Qualitätsverbesserung und tolle neue Kaffees. Aktuell besteht dieser Kontakt nur durch die Rohkaffee-Händler, denen wir viel Vertrauen schenken.
In Zukunft ist es auf jeden Fall bestrebenswert, den direkten Kontakt weiter auszubauen.

Welcher Deiner selbst gerösteten Kaffees hat Dich zuletzt überrascht? Womit hat er Dich überrascht?
Meine eigenen Kaffees überraschen mich ständig. Wie gerade eben in diesem Moment (ich trinke gerade unseren neuen Yirgacheffe natural und das fruchtige süße Aroma ist wirklich beeindruckend). Hier in der Rösterei brühen wir uns oft gegenseitig Kaffees um uns zu überraschen und auch zu schulen. Das ist immer wieder spannend, vor allem wenn man nicht weiß, was man gerade trinkt und sich immer wieder von Neuem auf die tollen Aromen und Geschmacksnouancen einlassen kann. Genau das ist ja auch das spannende an meinem Job. Dass ich mich ständig mit immer wieder neuen Kaffees auseinandersetzen muss und natürlich auch will und immer wieder neuen außergewöhnlichen Geschmacksrichtungen begegne.

Röster - Kaffeemanufaktur Machhörndl

Welchen Röstgrad bevorzugst Du?
Grundsätzlich geht es mir darum, die natürlichen Geschmackseigenschaften des Rohkaffees hervorzuheben und aus der Bohne heraus zu holen. Bei beerigen, spritzigen, fruchtigen Kaffees erreicht man das oft mit einer sehr hellen Röstung, wobei der Kaffee natürlich auch nicht unterentwickelt sein darf. Etwas nussigere oder schokoladigere Sorten dürfen schon auch mal ein klein wenig dunkler sein.
Prinzipiell sind aber alle meine Kaffees (Filter und Espresso) verhältnismäßig hell geröstet.

Welches ist Dein Lieblingskaffee einer anderen Rösterei?
Einen bestimmten Lieblingskaffee von einer anderen Rösterei habe ich nicht. Denn genau wie ich, wechseln auch die Kollegen immer wieder ihre Kaffee-Sorten und man bekommt immer wieder neue tolle Kaffees zu trinken. Einige meiner Favoriten hier in Deutschland sind auf jeden Fall JB, Sonntagmorgen und Backyard coffee. Aber es gibt natürlich noch jede Menge andere tolle Röster.

Brewbar - Kaffeemanufaktur Machhörndl

Wenn Du einen Kaffee trinken gehst, welches Café bevorzugst Du?
Wenn möglich, gehe ich am liebsten in ein Café mit Brew-Bar, da ich persönlich sehr gerne Brühkaffee trinke.

Vielen Dank für den wunderbaren Kaffee den Du für uns auswählst und röstest, und Deine Antworten.

Auf die Webseite der Kaffeemanufaktur haben wir oben bereits kurz hingewiesen, dort findet ihr auch eine ganze Reihe von Hinweisen auf Referenzen, Zeitungsartikel und Videos. Natürlich findet ihr die Kaffeemanufaktur auch auf Facebook.

In diesem Blog hatte ich vor Kurzem auch auf den Beitrag aus dem Bayrischen Rundfunk über die Kaffeemanufaktur Machhörndl hingewiesen.

Wunderbarer Kaffee aus der AeroPress

Wir nähern uns gerade mit großen Schritten den World AeroPress Championships in West Melbourne. Bis zum 24. Mai finden noch in den unterschiedlichen Ländern Wettkämpfe statt und so verfolge ich die unterschiedlichen Zubereitungsmethoden der Teilnehmenden.

In einem Artikel der LA Times stieß ich gestern Abend auf ein Video, das Sprudge mit Andy Sprenger, dem amtierenden US-AeroPress-Champion, aufgenommen hat:

Diese Zubereitungsweise Sprengers wurde als innovativste Methode ausgezeichnet. Im Sprudge-Artikel fasst er sie folgendermaßen in Worte:

Place inverted Aeropress on a scale, tare, add 10 grams of coffee. “I used a fine drip grind,” Andy tells us after the competition. Trim down and pre-wet a V60 filter and carefully fold it on top of the Aeropress chamber. Add an additional 8 grams of coffee to the V60 filter.

Start your timer, and pre-infuse the V60 filter for about ten seconds with 203-205 degree water. Pulse pour 120 grams of water total over the course of a minute and a half. Carefully remove the V60 filter. Add an additional 150 grams of water to the Aeropress chamber (this’ll take around 20-25 seconds).

Pre-wet that Aeropress paper filter, cap the chamber, invert the Aeropress – and very slowly press it down. Gentle. Pour and enjoy.

Quelle: sprudge.com – Andy Sprenger’s Winning Aeropress Method

Auf diese Weise habe ich eben den wunderbaren Äthiopien Yirgacheffe Hachira von Johannes Bayer zubereitet. Eine sehr klare Tasse, die das Aroma des Kaffees zurückhaltend und dennoch klar zur Geltung bringt.

Worauf kommt es eigentlich an?

Ab heute läuft der Wettbewerb der Deutschen Röstergilde für Espresso und Filterkaffee. Mit 100 Mitgliedern ist die Deutsche Röstergilde ein starker Interessenverband, vielleicht sogar der stärkste in Deutschland, deren Mitglieder folgende strenge Kriterien erfüllen müssen.

Qualität
Gesundheitsbewusstsein
Fairness und Nachhaltigkeit
Transparenz

Genaueres kann man hier dazu nachlesen. Das Siegel ist eine gute Orientierung in der Kaffeewelt, da innerhalb der Röstergilde ausschließlich in Trommelröstern Langzeitgeröstet wird, was den wesentlichen Unterschied zum industriellen Rösten ausmacht.

Doch was mich an diesem Wettbewerb am meisten interessiert ist die Frage was genau, wie bewertet wird? Worauf kommt es an?

Da meines Wissens jeder einschicken kann was er möchte, oder eben für gut hält, kann es gut sein das neben Espressoblends (Arabica + Robusta) auch reinsortige Arabicas in der „Espresso Sparte“ verköstigt werden, was für mich irgendwie befremdlich wirkt. Ebenso gibt es bei den Filterkaffees alleine von der Herkunft einmal um den Globus so große Unterschiede, dass die in einer einzigen Rubrik ebenfalls eigentlich nicht zu fassen sind.

Hinzu kommt der Faktor „Rösten“. Wann ist ein Kaffee zu hell geröstet? Ab wann zu dunkel? Ich würde sagen vieles ist Ermessenssache und persönliche Vorliebe. Natürlich kann man durch Geruch, Geschmack, Mundgefühl usw. schon viel über einen Kaffee sagen, doch beim reinen Degustieren weiß man nicht wieviele der im Rohkaffee vorhandenen  Aromen beim Rösten tatsächlich „freigesetzt“ wurden und wieviele nicht, oder anders formuliert wieviel des Potentials wurde ausgeschöpft und wieviel blieb ungenutzt. Und genau das fände ich total spannend. Das könnte man viel eher beurteilen wenn man den Röstprozess auch mitverfolgen würde oder zumindest jeder Teilnehmer den gleichen Rohkaffee mit der gleichen Röstmaschine zu rösten hätte. Das fände ich ne prima Sache. Nur mal so als Anstoß

Amerika im Schwarzen Goldrausch

Immer wieder schön, einfach so unkommentiert hier ein Video zu posten während man schon seit Tagen am nächsten Blogpost feilt. Fand den Bericht sehr interessant und finde das der Barista in der Reportage original wie der Sänger von Thrice aussieht. geht das noch wem so?

Wußte übrigens nicht das Portland so ein Kaffee-Mekka sein soll, wieder was gelernt.

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(hier ein verlinkter Screenshot der zum Video in der ARD Mediathek verweist, hoffe die Reportage ist dort noch eine Weile online)

Fair gehandelter Kaffee – Ein Buch mit vielen Siegeln

Gestern war ich auf der „Fair Handeln“ Messe“ in Stuttgart. Eigentlich wollte ich darüber einen kleinen Blogpost schreiben und veranschaulichen wie toll und unterstützenswert das alles ist. Doch das Thema Fairer Handel und im Speziellen, Fairer Kaffeehandel, ist komplex, soviel ist mir mal wieder klar geworden. So sind bekannte Siegel wie „Fairtrade“ z.B, was die Strenge der Kontrollen angeht angeblich eher lasch. So erklärt es sich dann auch, dass man auf das Fairtrade Siegel u. a. bei Lidl und Starbucks stößt. Beides nicht unbedingt Namen die man direkt mit Fairem Handel(n) verbinden möchte, oder? Siegel wie „Bioland“ agieren nur national und sind somit auf keinem Kaffee zu finden, dafür aber auf Milch, die für uns ja auch nicht gänzlich uninteressant ist. „Naturland Fair“ hat hohe Standards und hat mit dem „Fair“ Zusatz auch ein Siegel geschaffen, das endlich Bio und Fair in einem Siegel abdeckt, was ich persönlich schon längst überfällig finde.

Doch das alles ist anderen wie z.B El Puente immer noch zu lasch, zu bürokratisch, zu sehr an den eigentlichen Problemen vorbei, so dass sie sich den bestehenden Siegeln verweigern und ihr eigenes Ding machen. So ist es theoretisch gut möglich, dass ein Kaffee der kein offensichtliches „fair gehandelt“ Siegel hat jedoch unter maximal fairen Bedingungen entstanden ist. Auf der anderen Seite  kann ein zertifizierter Kaffee mit Siegel aber auch ein bißchen zuviel von der heilen Welt versprechen und bei genauer Recherche ist die Enttäuschung vorprogrammiert. Eine Tatsache, die es uns als Endverbraucher nicht leichter macht.

Ich denke, dass uns Fairer Kaffeehandel trotz dieser Undurchsichtigkeiten in jedem Fall interessieren sollte. Nicht zuletzt da wir in Deutschland zu den Top Abnehmern von Rohkaffee gehören und Kaffee nunmal nur in bestimmten Breitengraden in der Nähe des Äquators wächst und die Produzenten somit fast ausnahmslos Entwicklungs- und Schwellenländer sind.

Das beste scheint beim Kauf direkt nachzufragen, wo der Kaffee herkommt? Wenn es Siegel gibt, wofür sie genau stehen und wenn es keine gibt auch da nachzufragen wie der Kaffee denn produziert bzw. gehandelt wurde.

Was uns dann aber immer noch nicht erspart bleibt ist, das Faire Siegel nichts über die tatsächliche Qualität des Kaffees aussagen. Es bleibt also spannend.

Nachtrag: Den 100% Arabica Espresso aus Kamerun von El Puente den ich mir für 3,80 !!! (250g) mitgenommen hatte geht geschmacklich in Ordnung und veranschaulicht sehr gut wie Kaffee ohne  profitorientierten Zwischenhandel und ohne Siegel sogar noch „für meine Verhältnisse zumindest“ sehr günstig sein kann. Außerdem fiel mir positiv auf dass auch über den Kaffee (Anbauhöhe, Bodenbeschaffenheit, Bebauungsart usw.) auf der Verpackung zu lesen ist und nicht nur das übliche bla bla bla.

Cascara, Tee aus der Kaffeekirsche

Bei seinem letzten Besuch erzählte mir Götz, der in London wohnt und die dortige Kaffeekultur genießt, von Cascara, das er im Kaffeine in London getrunken hatte. Ich bekam direkt Lust dieses edle Getränk zu probieren, recherchierte jedoch nicht weit genug und kam nie über diesen Blogeintrag hinaus. Bei der Lektüre des wunderbaren Caffeine Magazines stieß ich erneut auf Cascara im Food-Pairing-Artikel von Jared Bryant, Chefkoch im Kaffeine. Dort stand auch, dass sie ihr Cascara über Has Bean beziehen. Und dieses Mal schritt ich zur Tat und nutzte die Gelegenheit etwas Kaffee und Cascara bei Has Bean zu bestellen. Seit Anfang der Woche experimentiere ich nun mit Cascara, und es schmeckt mir immer besser.

Bevor ich jedoch zu sehr ins Schwärmen gerate, sei gesagt, dass es sich bei Cascara um Tee aus der getrockneten Kaffeekirsche handelt. Normalerweise schaffen es nur die Bohnen der Kaffeekirsche zu uns nach Europa, der Rest der Kaffeekirsche wird entweder vor Ort zur Zubereitung von Tee verwendet, oder weggeworfen. In den letzten Tagen las ich, dass Cascara als »Kaffee der Armen« bezeichnet wird. Während ich den Gedanken gut finde so viel wie möglich von der Kaffeekirsche zu verwenden, in die von den Anbauenden so viel Energie und Sorgfalt investiert wird, hoffe ich, dass unser Import von Cascara die Preise vor Ort nicht so sehr in die Höhe treibt, dass er kein Kaffee mehr für Menschen sein kann, die sich Kaffee nicht leisten können. Um dies jedoch beurteilen zu können habe ich zu wenig Einsicht in die Zusammenhänge vor Ort – freue mich aber Eure Gedanken und Erfahrungen dazu zu lesen.

Auf die Frage wie Cascara zubereitet werden kann, lasse ich Stephen Leighton von Has Bean antworten:

Stephen schlägt also vor 12g Cascara mit 500ml Wasser aufzugießen, und dann 4 Minuten ziehen zu lassen. Anfangs habe ich mich direkt an dieses Verhältnis gehalten, heute war ich kurz abgelenkt und ließ das Cascara etwas länger ziehen und mir schmeckt das Ergebnis.

Cascara lässt sich direkt warm als Tee trinken. Mich erinnert er dann an Fürchte- oder Roibostee mit Anklängen von grünem Tee. Mich interessiert jedoch gerade eher eine Art Eistee mit Kohlensäure. Da Cascara ordentlich Koffein hat, könnte es zu einer wunderbaren Alternative zu Club Mate werden. In diese Richtung experimentiere ich gerade und trinke aktuell:

  • 500ml Cascara
  • 250ml Sprudel
  • Saft einer halben Zitrone
  • gesüßt mit etwas Agavendicksaft

Mich würde sehr interessieren welche Erfahrungen ihr mit Cascara gemacht habt, und wie Eure bovorzugte Zubereitungsmethode aussieht.

In Deutschland sind sie bisher noch nicht so einfach zu bekommen, bei der Berliner Kaffeerösterei und bei der Coffeethek bekommt man Pacamara Kaffeekirschentee, den ich allerdings noch nicht getrunken habe.

Die goldene Crema-Regel

An der Crema eines Espresso scheiden sich ja bekanntlich die Geister, darum hier in aller Kürze
eine bewährte Faustregel.

1. Wenn die Crema ohne sonstige Einwirkung nach einer Minute noch besteht ist sie – gut.

2. Wenn man in die Crema dauerhaft einen Smiley zeichnen kann dann ist sie – sehr gut.

3. Mit der ultimativen Crema hat man es allerdings nur zu tun, wenn die Crema so dicht ausgeprägt ist, dass sie den Espresso quasi wie ein Deckel oben verschliesst. Begünstigt durch die Oberflächenspannung kann man die Tasse dann sogar samt Espresso umdrehen.

 

Viel Spaß beim ausprobieren.

 

Crema

Nachtrag: Ich hoffe man konnte diesen Eintrag samt seines Inhalts in Bezug auf sein Erscheinungsdatum entsprechend zuordnen und keiner hat sich seine Klamotten mit einem Espresso versaut. Sollte natürlich nur ein Aprilscherz sein.