Ouver Coffee Station

Vor einiger Zeit bekam ich eine Nachricht von Birger Schneider, der gemeinsam mit seinem Vater die Ouver Coffee Station herstellt. Er fragte mich, ob ich eine seiner Stationen testen wolle, und da ich hin und wieder über eine Brew Station nachgedacht hatte, und mir die Ouver Coffee Station auf Anhieb gefiel, sagte ich zu.

Kurz darauf erreichte mich ein schönes Päckchen, in dem sich eine Station der Cherry Edition befand. Der erste Eindruck war sehr gut. Die Station kommt in Einzelteile zerlegt an, und kann mit ein paar einfachen Handgriffen und dem mitgelieferten Inbus-Schlüssel zusammengebaut werden. Die Grundplatte aus Kirschholz ist sauber verarbeitet, fühlt sich angenehm an und sieht sehr gut aus.

Mit einem Hario v60 Filter aus Glas steht sie sehr gut da, und lädt dazu ein den ersten Kaffee zuzubereiten. Der Glasfilter ist nicht im Lieferumfang enthalten, passt aus meiner Sicht jedoch am Besten zur Station.

Ouver Coffee Station, 08

Da der Halter für die Handfilter stufenlos verstellbar ist lassen sich unterschiedliche Kännchen, Tassen und Filter sehr gut verwenden. Sowohl mein kleiner v60 aus Keramik, der Große aus Metall und mein Kalita Dripper 155 passten auf den Halter. Am schönsten sieht er jedoch mit dem Glasfilter aus. Und daher verwende ich ihn mittlerweile ausschließlich damit.

Ouver Coffee Station, 09

Mir gefällt sehr gut, dass die Station mit viel Liebe zum Detail entwickelt wird. Die Füße der Grundplatte lassen diese zum einen sehr sauber auf der Arbeitsplatte stehen, passen jedoch auch perfekt zur Hario Drip Scale. In dieser Kombination lässt sich die Station wunderbar zur präzisen Zubereitung von Kaffee verwenden. Die Gravur der Grundplatte bietet eine gute Orientierung für Tasse oder Kännchen und runden in Kombination mit dem Logo die Ästhetik stimmig ab.

Ouver Coffee Station, 10

Aus meiner Sicht ist die Ouver Coffee Station ein perfektes Accessoire für stilvoll zubereiteten Kaffee. Die Verwendung von ausrangierten Materialien, die sonst zum Müll wandern, spricht mich sehr an. Sie kann daher treffend als upcycling Produkt bezeichnet werden. Die Ästhetik der Station passt wunderbar zum Anspruch besonderen Kaffee zuzubereiten, der von der Pflanze bis zur Tasse sorgfältig behandelt wird.

Bei der Zubereitung von Kaffee konnte ich keine großen geschmacklichen Unterschiede feststellen, daher denke ich, dass die Station nicht zwingend benötigt wird, jedoch als Begleiterin sehr nützlich ist. Sie hält während der Zubereitung den Filter, und erleichtert das Ausgießen des Wassers mit dem der Filter ausgespült wird und das die Kanne vorwärmt, und hält ihn auch dann noch, wenn die Zubereitung zu Ende ist.

Wer sich oder jemand anderes zu Weihnachten eine Freude machen möchte, könnte sich im Ouver-Shop umsehen. Neben der hier zu sehenden Station den formschönen Stand. Auf Wunsch können ein Hario v60 aus Glas und die passenden Papierfilter direkt mitbestellt werden.

Die Grundplatte aus benutzen Skateboards über die ich kürzlich auf Facebook gestolpert bin, finde ich ebenfalls unglaublich gut, davon könnte es meiner Meinung nach noch mehr geben.

Clever Dripper

Bei aller Liebe zum Detail entspricht es mir doch viel eher Dinge zu vereinfachen und sie simpel aber effektiv zu halten. Spätestens wenn man in der Gastronomie Kaffee zubereitet finde ich solche Lösungen extrem hilfreich. Der „Clever Dripper“ schien mir schon länger genau so ein „Tool“ zu sein. Er ist eine Kombi aus Frenchpress und Filter, beides Brühmethoden denen ich einiges abgewinnen kann. Der Kaffee aus der Frenchpress hat z.B. meistens einen vollen Körper durch den langen und direkten Kontakt von Kaffee und Wasser. Ein gefilterter Kaffee besticht hingegen meistens eher durch seine Klarheit und kommt rund und ausgewogen in die Tasse.

Clever Dripper

Die Idee hinter dem Clever Dripper ist ganz einfach: Ein großer Filter, ( je nach Tassengröße für 2-3 Tassen) der unten eine Klappfunktion (Shut Off System) hat, mit der man selbst bestimmt wann der Kaffee unten in die Tasse gelassen wird. So lange wird dClever-Beilegezetteler Kaffee zusammen mit dem Wasser, ähnlich wie bei der Frenchpress, im Filter gehalten. Damit der Kaffee während der Brühzeit nicht zu sehr auskühlt wird ein Deckel mitgeliefert. Der „Shut Off“ Mechanismus wird ausgelöst indem der Filter auf eine Tasse gesetzt wird.
In der Theorie war für mich ein Manko, dass der Clever Dripper aus Kunststoff ist, was ich z.B. bei der Aeropress als Nachteil sehe. Doch hier hat der Hersteller mitgedacht und verweist in einem Beilegzettel auf die Verträglichkeit des Materials.

Im ersten direkten Vergleich zwischen Clever Dripper und Hario V60 Filter mit je 13 g Kaffe auf 200 ml in 2 min Durchlaufzeit mit dem aktuellen Quijote Kaffee X-Roast Ethiopia Kochere schmecke ich kaum spürbare Unterschiede. Mit 3 min. Brühzeit, wie vom Hersteller empfohlen könnte ich mir vorstellen ist der Unterschied vermutlich etwas deutlicher bzw. man muß unterschiedliche Mahlgrade nehmen um für 200 ml überhaupt 3 min mit dem V60 zu brauchen. Fürs Erste bin ich aber voll zufrieden. Als Papierfilter habe ich übrigens den Melitta „Original “ 1×4 genommen.

Bleibt noch das Rezept von Johanna Wechselberger aus Ihrem Buch „Filterkaffee“ zu probieren.

Nachtrag: Sehe grad dass der Kochere X-Roast bereits vergriffen ist, alle anderen Filterkaffees von Quijote sind aber auch sehr lecker.

Rösten von Kaffee – Magie, Kunst, Wissenschaft

Schon wieder eine Buchbesprechung? Nein. Es ist lediglich eine Info aus gegebenem Anlass.
Seit Jahren kursierte das Buch „Rösten von Kaffee“ zum absurden Preis von knapp 100,- Euro im Netz als „gebrauchtes“ Exemplar. Doch jetzt ist es endlich wieder für einen normalen Preis von 14,90 und zwar für „Neuware“ beim größten Online Buchverkäufer zu haben. Ich dachte vielleicht freut das noch wen so sehr wie mich. Das Buch ist meiner Meinung nach das fundierteste was man zum Thema Rösten bekommen kann und eigentlich auch das einzige mit dem man wirklich etwas anfangen kann. Herausgegeben wird das Buch übrigens von den Probat Werken, also quasi einer der besten Adressen wenn es ums Kaffee rösten geht.

Roesten_von_Kaffee

„Filterkaffee“ von Johanna Wechselberger

Wer anfängt sich für Kaffee zu interessieren und sogar so weit geht und nach entsprechender guter Literatur sucht um mehr Hintergrundwissen zu bekommen, der wird vermutlich schnell beim „Kaffeebuch“ von Johanna Wechselberger landen. Das „Kaffeebuch“ ist inzwischen vielerorts ein Standardwerk geworden und ich weiß von Kaffeeschulen, dass sie sogar ihren Unterricht darauf aufbauen. Es ist gut und übersichtlich aufgemacht und von A-Z wird hier so ziemlich alles erklärt was in Punkto Kaffee zu beachten wäre. Ein gutes Nachschlagewerk also.

Nun ist das neue Buch von Johanna Wechselberger  „Filterkaffee“ erschienen, in dem sie die Entwicklungen der letzten Jahre in der Spezialitäten Kaffee „Szene“ aufgreift. Es werden alle bekannten und unbekannten Methoden Filterkaffee zuzubereiten erklärt und passende Rezepturen gibt es auch gleich dazu.

Filterkaffee

Das Buch beginnt mit einem vor allem für „Einsteiger“ interessanten Basics Teil in dem u. a. auch Begriffe wie Extraktion, Unter- bzw. Überextraktion erklärt werden. Wer bereits weiß was  z. B. die Hydrolyse ist kann hier vermutlich gleich beim nächsten Teil einsteigen, allen anderen empfehle ich allerdings auch diesen „Theorie-Teil“ zu lesen.

Filterkaffee“ bietet eine gute und vor allem aktuelle Übersicht über die gängigsten Methoden und Werkzeuge die es momentan so gibt. Das Buch ist sehr schön aufgemacht, das fängt beim ansprechenden Cover an und hört bei den vielen Fotos im Buch auf. Es ist übersichtlich und sehr verständlich geschrieben, was man bei Kaffeebüchern leider nicht immer voraussetzen kann. Das besondere an dem Buch ist meiner Meinung nach, ähnlich wie beim Vorgänger auch, dass Johanna Wechselberger es schafft alles sehr sachlich und nicht wertend oder besser gesagt manches nicht abwertend zu erwähnen. Das macht dieses Buch so angenehm, sieht es in der Wirklichkeit doch oft einfach anders aus und es gibt genug Leute die eine bestimmte Zubereitungsmethode grundsätzlich ablehnen, eine andere wiederum als die Vollendete betrachten…

Das Buch gibt’s für 14,90 im Buchladen um die Ecke.

Fazit: Sollte jeder im Regal stehen haben.

Fußnote: Wer wie ich, selber Leuten Kaffee-Wissen weitervermittelt, weiß wie schwer es manchmal ist verständliche Begrifflichkeiten zu finden und Dinge und Zusammenhänge die man selbst verstanden hat weiterzugeben. Nicht zuletzt für solche Leute ist dieses Buch mit Sicherheit eine große Hilfe.

Die AeroPress, wie ich sie momentan verwende

Ich wollte mal wieder etwas darüber schreiben wie ich gerade meinen Kaffee mit der AeroPress zubereite. Diesen Eintrag hatte ich schon einige Male in Gedanken begonnen, mit der Lightbox des Jungen Fotos dafür aufgenommen, nur um kurz vor dem Formulieren wieder den Gefallen am aktuellen Ergebnis zu verlieren. Hier nun heute, ganz bewusst, eine Notiz mit der Bitte um Ergänzung und dem Wissen darum, dass sich dieses Rezept auch wieder ändern wird.

Meine aktuellen harten Fakten sind:

  • 15g Kaffee / mittel-grob gemahlen
  • 220g Wasser bei 88 Grad
  • inverted, also mit umgekehrter AeroPress
  • Extraktionszeit: 2 Minuten

Mit dem Verhältnis von Kaffee und Wasser bin ich sehr zufrieden. Die Temperatur des Wassers scheint mir auch gut zu passen, vor Allem um die fruchtigen Anteile des Kaffees zur Geltung zu bringen.

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Woran ich immer wieder kleine Änderungen vornehme sind der Mahlgrad. Mit manchen Kaffees bekomme ich eine deutlich bessere Tasse wenn ich den Kaffee feiner mahle.

Wie oft ich rühre und ob ich zunächst mit einer kleineren Menge quellen lasse, hängt irgendwie von meiner Tagesform ab. Falls mir jemand etwas gutes zum Quellen lassen von Kaffee in der AeroPress schreiben möchte, bin ich dankbar.

Der Hauptunterschied meiner Zubereitung liegt also in der Entscheidung ob ich den Kaffee mit 50g Wasser quellen lassen. Entscheide ich mich dafür fülle ich das Wasser ein, rühre kurz und gründlich um, warte dann bis 30 Sekunden vergangen sind, fülle das restliche Wasser nach, und rühre nochmals gründlich in der Zeit zwischen 50 Sekunden und einer Minute. Dann schraube ich den Deckel auf, stelle ein Vakuum her, indem ich die Luft entwichen lasse und anschließend den Kolben leicht zurück ziehe.

Entscheide ich mich gegen das Quellen, fülle ich gleich zu Beginn die 220g Wasser ein. Warte einen Moment und rühre den Inhalt der Kammer für ca. 15 Sekunden gründlich. Danach schraube ich den Deckel auf und erstelle das Vakuum.

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Irgendwann zwischen 1:15 und 1:20 setze ich die AeroPress auf das Gefäß in das ich den Kaffee pressen möchte und beginne gegen 1:20 damit langsam und gleichmäßig den Kolben nach unten zu pressen, so dass die Kammer um Minute Zwei herum leer ist. Ich stoppe kurz bevor das Geräusch entweichender Luft zu hören ist.

Bevor ich den Kaffee genieße dekantiere ich ihn 4 Mal. Auf diese Weise erhalte ich eine klare Tasse Kaffee mit deutlichen Fruchtnoten und einem angenehmen Körper.

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Kaffee Wichteln

Auf Instagram teilen bekanntlich immer wieder Menschen mit welchen Kaffee sie momentan trinken und wie sie diesen finden. In den Kommentaren eines solchen Bildes entstand zwischen @bosch, @lastguest_hh und @roitsch die Idee ein Kaffee Wichteln zu organisieren.

#thirdwavewichteln

Die Idee ist so einfach wie begeisternd. Alle die gerne am weihnachtlichen Kaffeetausch teilnehmen möchten, tragen sich ein, @roitsch nimmt diese Daten entgegen, mischt sie und teilt allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine Adresse zu an die dann ein Päckchen hervorragender Kaffee geschickt wird. Am 23.12. sollten die Päckchen jeweils ankommen, so dass der weihnachtliche Kaffeegenuss beginnen kann.

Hier geht’s zum Formular über das Du Dich registrieren kannst. Die Regeln kannst Du hier einsehen, und alles zusammen findest Du in diesem Tumblr.

Ich bin gespannt was sich aus diese Aktion alles ergibt …

Interview mit Luzia Taschler und Kristina Eronina zur deutschen AeroPress-Meisterschaft 2013

Finale der AeroPress Meisterschaft 2013

Hallo Luzia und Krissi, ihr habt ja bei der deutschen AeroPress-Meisterschaft mit Euren Kaffees die Jury begeistert und die beiden vorderen Plätze belegt. An dieser Stelle zunächst nochmals meine Glückwünsche zum Gewinn der deutschen AeroPress-Meisterschaft Luzia und Dir Krissi zum zweiten Platz. Mich hat die Art fasziniert wie ihr Eure Kaffees an der Meisterschaft zubereitet habt, und ich hoffe ihr verratet uns in diesem Interview Eure Rezepte. Bevor wir jedoch dazu kommen habe ich noch ein paar Fragen an Euch.

Ihr arbeitet beide bei »Machhörndl Kaffee« in Nürnberg. Was sind Eure Arbeitsbereiche dort?

Luzia: Eigentlich macht hier jeder fast alles, da wir ein sehr kleines Team sind. Hauptsächlich stehen wir natürlich hinter der Espresso-Maschine und natürlich auch hinter der Brew-Bar, Kaffee abpacken, sortieren usw. gehören aber auch dazu. Ich persönlich kümmere mich zusätzlich noch ein bisschen um grafische Arbeiten, da ich ja eigentlich Mediendesign studiert habe.

Krissi: Ich steh am allerliebsten hinter der Brew- und Espressobar und sorge dafür, dass wir hier in der Rösterei auch intern regelmäßig Cuppings machen. Es gibt auf jeden Fall immer was zu tun.

Wer sich darüber hinaus für Machhörndl Kaffee interessiert, kann dieses Interview lesen.

Luzia Taschler

Bei Eurer Arbeit steht die Qualität des Kaffees auf eindrückliche Weise im Vordergrund. Wollt ihr ein bisschen über den Weg reden, auf dem ihr Eure Leidenschaft für guten Kaffee entdeckt und entwickelt habt?

Krissi: Diese Geschichte erzähl ich sehr gerne! In Kaffee verliebt hab ich mich, als mich die Schwester meines Mitbewohners (zufälliger Weise war das Luzia) auf einen Kaffee zu “Machhörndl Kaffee” eingeladen hat, da damals eine Aushilfe gesucht wurde. Nach dem ersten Schluck Kaffee dort wurde mir klar, dass ich total gerne in dem Bereich arbeiten möchte. Nach und nach hat mich der Kaffee immer mehr angefixt und mittlerweile kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, etwas anderes zu machen. Ich wollte auch schon immer ein Handwerk erlernen und hier in der Rösterei bin ich dafür bestens aufgehoben.

Luzia: Das ist jetzt tatsächlich schon eine ganze Weile her. Ich war 2006 nach dem Abitur ein Jahr lang in Australien. Dort war auch damals schon die Kaffee-Szene sehr ausgeprägt. Als ich dann meinen ersten Cappuccino mit Latte Art serviert bekam war ich so begeistert, dass ich das Barista-Handwerk unbedingt lernen wollte. Ich habe in einem kleinen Café einen Nebenjob ergattern können und die Leidenschaft hat mich recht schnell gepackt. Ich habe dann in dem Jahr in vielen verschiedenen Cafés in ganz Australien gearbeitet. Zurück in Deutschland war ich erst recht frustriert, was die Kaffee-Szene angeht. Dann habe ich aber zufälligerweise Thomas Schweiger und Armin Machhörndl kennen gelernt und wie man sieht, nahmen die Dinge weiter ihren Lauf.

Kristina (Krissi) Eronina

Wie entstand bei Euch der Entschluss an der AeroPress-Meisterschaft teilzunehmen?

Krissi: Ich wollte gerne mal an einer Kaffee-Meisterschaft teilnehmen und die deutsche Aeropress-Meisterschaft war eine gute Gelegenheit damit anzufangen.

Luzia: Eigentlich hatte sich nur Krissi entschieden, an der Aeropress-Meisterschaft mitzumachen. Als wir dann aber so viel trainiert und überlegt haben, hat’s mich doch auch wieder in den Fingern gejuckt und ich habe erstmal nur aus Spaß ein bisschen mit sehr außergewöhnlichen Methoden herumexperimentiert. Ich hatte die Idee, den tollen Charakter eines guten Coldbrews mit der Aeropress zu vereinen. Das Ergebnis hat mich dann geschmacklich so überzeugt, dass ich mich sehr spontan entschieden habe, auch noch mit zu machen.

Wollt ihr uns ein bisschen von den Vorbereitungen auf die Meisterschaft erzählen? (Habt ihr gemeinsam trainiert? Wie habt ihr Eure Rezepte entwickelt? Bereitet ihr an Eurer Brewbar die AeroPress auch auf diese Weise zu?)

Krissi: Wir haben auf jeden Fall gemeinsam trainiert, es spricht ja auch nichts dagegen. Wir arbeiten ja nicht gegen- sondern für- und miteinander! Wir haben nicht nur gegenseitig unsere Zeit gestoppt sondern auch die Kaffees verkostet usw. Ich habe total viel ’rumprobiert mit verschiedenen Temperaturen, Mahlgrad, Ziehzeit, etc. Ständig habe ich auch die TDS-Werte gemessen. Das ging so lange, bis ich irgendwann mit dem Ergebnis zufrieden war.

Luzia: Naja, wie schon gesagt, habe ich mich sehr spontan entschlossen teil zu nehmen, das war im Prinzip während des gemeinsamen Trainings mit Krissi. Aber auch, als klar war, dass wir beide mitmachen werden, haben wir natürlich weiter zusammen trainiert, denn der gegenseitige Austausch ist sehr wichtig und wertvoll. Außerdem waren ja unsere Konzepte und Brühmethoden auch komplett unterschiedlich.

Hier im Laden bereiten wir die Aeropress nicht nach unseren Meisterschafts-Rezepten, außer es fragt mal jemand explizit danach. Das würde leider einfach etwas zu lange dauern.

Das Kännchen von Luzia

Und nun würde ich mich freuen, wenn Ihr uns Eure Rezepte verratet …

Luzia: Na klar, das geb’ ich gerne weiter, gerade weil es sehr experimentell ist und vielleicht andere Leute zu neuen Brühmethoden inspirieren kann.

Ich habe 23g sehr grob gemahlenen Kaffee mit 50ml kaltem (20°C) Wasser in einem Glasbehälter aufgegossen. Während 4,5 Minuten Ziehzeit habe ich 2 mal umgerührt, das erste mal nach 1 Minute und nochmal nach 3 Minuten. Anschließend habe ich das ganze mit heißem Wasser (94°C) auf insgesamt 240ml aufgegossen, in die Aeropress umgefüllt und sofort durchgepresst.

Zum Schluss habe ich den gebrühten Kaffee 6 mal von einem Kännchen ins andere umgegossen, somit wurden die Aromen wesentlich intensiver.

Krissi: Ich habe 18g frisch gemahlenen Kaffee in ein Glaskännchen gegeben und ihn darin mit 230g Wasser (85°C) 1,3 Minuten ziehen lassen. Anschließend habe ich das ganze in die Aeropress gegeben und durchgepresst. Und zum Schluss habe ich den Kaffee 4 mal von einem Kännchen ins andere gegossen, damit er noch etwas abkühlt und die Aromen intensive werden.

Vielen Dank, dass Ihr Euer Geheimnis mit uns teilt. Gibt es für Euch Punkte bei der Kaffeezubereitung mit der AeroPress auf die man besonders achten sollte, um mit ihr den bestmöglichen Kaffee zuzubereiten?

Luzia: Das ist doch kein Geheimnis! Von meiner Seite aus Punkte die zu beachten sind: ruhig mal was neues, verrücktes ausprobieren! Nicht immer nur an alten Weisheiten und Parametern festhalten und letztendlich den eigenen Geschmack entscheiden lassen.

Krissi: Ich finde es auch gut, wenn man experimentierfreudig ist. Viel Ausprobieren und Vergleichen und Parameter ändern führen am Ende zu einem tollen Ergebnis. Außerdem sollte man unbedingt Spaß und Leidenschaft an der Sache haben alles andere hat kein Wert. Auch der Austausch mit anderen Leuten ist sehr wertvoll.

Die AeroPress ist auf Grund ihrer Größe und der Handlichkeit ein guter Reisebegleiter. Habt Ihr auch immer eine im Gepäck, oder wie bereitet Ihr auf Reisen Euren Kaffee zu?

Krissi: Wenn ich auf Reisen bin, probiere ich am liebsten den Kaffee, wie er in den Ländern typisch zubereitet wird, auch wenn’s manchmal nicht so toll schmeckt. Aber ich will immer etwas neues kennen lernen! Außerdem reicht es ja nicht, die Aeropress alleine mit zu nehmen, ich bräuchte ja dann auch eine Mühle, Filter, eine Waage, gefiltertes Wasser, etc. und in meinem Rucksack hab ich meistens nicht so viel Platz, um alles unter zu bekommen.

Luzia: Da bin ich das Gegenteil: meine Aeropress ist eigentlich fast immer mit dabei, oder auch mal der CleverDripper. Wie Krissi schon gesagt hat, braucht man dann natürlich auch Mühle und co. Aber das ist es mir wert. Ich trinke eigentlich fast nirgends Kaffee, außer wenn ich ihn selbst zubereitet habe, mir reicht es meistens schon, bei den Getränken meiner Freunde einen Blick drauf zu werfen. Ich habe mir auch schon die ein oder andere Aeropress im Flugzeug zubereitet, das bringt immer recht viel Aufmerksamkeit mit sich, aber auch einige glückliche Flugbegleiter, die probieren dürfen. Auch auf meiner letzten Reise in Ecuador hatte ich meine Aeropress dabei und die Farmer dort waren begeistert von der Zubereitungsmethode.

Kristina (Krissi) Eronina

Habt ihr momentan einen Lieblingskaffee, eine Bohne oder Zubereitungsart, die ihr gerade allen anderen leckeren Kaffees vorzieht?

Krissi: Unseren Äthiopien Konga OCR (sonnengetrocknet) finde ich gerade wirklich super geil. Und er schmeckt mir eigentlich mit fast jeder Zubereitungsmethode gut. Ich habe eigentlich in dem Sinne keinen wirklichen Lieblingskaffee oder eine Lieblings-Zubereitungsmethode, ich liebe fruchtig, beerige, spritzige, ja einfach spannende Kaffees bei denen ich mir erst mal denke “wow was ist das denn, ist es Kaffee?”

Luzia: Puh, das ist immer eine sehr schwierige Frage. Ich trinke unglaublich gerne frisch gebrühte Kaffees sämtlicher Brühmethoden. Ich mag’s genauso wie die Krissi auch sehr gerne fruchtig und saftig. Aber vor allem interessant sollte er sein. Ich finde es toll, wenn man langsam ein geschmackliches Gefühl dafür entwickelt, woher welcher Kaffee kommt und wie er aufbereitet wurde etc. Ich trinke aber auch total gerne mal einen Cappuccino. Nur bin ich nicht so ein großer Espresso-Fan. Das ist mir irgendwie einfach zu konzentriert. Espresso trinke ich eigentlich nur zum Mühle einstellen.

Vielen Dank, dass ihr Euch die Zeit genommen habt meine Fragen zu beantworten.

Kaffeecampus 2013

Zum dritten mal lud die Deutsche Röstergilde diese Woche zum Kaffecampus ein. Diesmal nach Berlin, ins Kosmos in Friedrichshain, das meiner Meinung nach eine sehr gute Wahl war. In diesem Jahr tat man sich auch zum ersten mal mit den SCAE Meisterschaften, der sogenannten Kaffeeolympiade zusammen, was ebenfalls eine gute Entscheidung war. Hatte die SCAE in den letzten Monaten doch offensichtliche Probleme. Also warum nicht Synergien nutzen, zumal der ganze Event trotz der Zusammenlegung immer noch sehr überschaubar war und man gut erkennen konnte, dass die deutsche Spezialitätenkaffee-Szene (noch) ein recht überschaubares Grüppchen ist.

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Den Kaffeecampus konnte man, wie auch im Programmheft ersichtlich, in die eigentliche Messe, Workshops und Seminare und die Kaffee Olympiade einteilen. Das Programmheft war schön aufgemacht und übersichtlich, so wie man sich das wünscht, es kann hier übrigens nach wie vor runtergeladen werden.

Die eigentliche Messe war mit vielen relevanten Firmen eigentlich ausnahmslos interessant und man konnte neue Espressomaschinen z.B bei La Marzocco , Dalla Corte oder ECM testen, oder Mühlen bei Mahlkönig. Gleich im Eingangsbereich konnte man ständig an Cuppings teilnehmen, wobei ich besonders lobend erwähnen will, das sogar Cupping Löffel gestellt wurden. Für mich als Röster war es besonders erfreulich dass auch tatsächlich vor Ort geröstet werden konnte. Es standen Röster von Probat, Giesen und Diedrich bereit, wobei der Giesen leider gar nicht angeschlossen war. Rohkaffee wurde auch gestellt und es stand immer Personal am Röster, die gerne Fragen beantworteten und falls nötig auch Hilfestellung gaben. Auf den Kenya AA den ich mit dem Probat rösten durfte, bin ich auf jeden Fall schon sehr gespannt.

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Beim Tagespreis von 3 ,- Euro konnte sich mit Sicherheit keiner beschweren. Beim genaueren Blick ins Programmheft wurde jedoch klar das Workshops und Seminare extra kosten. Das man für einen Latte Art Workshop der von der Berlin School of Coffee angeboten wurde etwas Geld nimmt kann ich gut nachvollziehen, zumal ein ähnlicher Workshop normalerweise gern das 3-4 fache kostet. Aber für eine etwa 45 minütige Powerpointpräsentation über Filterkaffee 49,- Euro zu nehmen und dann nicht mal ein Hand Out vorbereitet geht so leider gar nicht. Doch es gab auch noch den kostenlosen Talk der Berlin Coffee Society den ich persönlich zum größten Teil sehr spannend fand.

Wem das jetzt alles noch nicht genug CoffeeNerd-mäßig war, der kann jetzt noch die ganze Nacht einzelne Wettkämpfe der Kaffee Olympiade als video anschauen. Ich empfehle hier besonders die Performance von Cory Andreen im Brewers Cup, da musste ich zum Teil schon sehr schmunzeln, wenn man sieht was man sich so alles beim Kaffee zubereiten ausdenken kann.

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Alles in Allem also eine gelungene Veranstaltung auf die ich mich im nächsten Jahr schon freue.

Die Zubereitung verfeinern

Die AeroPress ist eine wunderbare Begleiterin, wenn es darum geht in den unterschiedlichsten Situationen einen sehr guten Kaffee zuzubereiten. Seit meinen Vorbereitungen auf die deutsche AeroPress-Meisterschaft bereite ich ungefähr 90% meines Kaffees mit der AeroPress zu. Um dabei eine immer bessere Tasse zu erzielen sehe ich mich ab und an danach um, wie andere ihren Kaffee mit der AeroPress zubereiten, dabei bin ich eben hier über das oben eingebundene Video gestossen.